Das Immunsystem des Gehirns
Zellen der Mikroglia haben normalerweise eine Schutzfunktion im Zentralnervensystem, können aber auch zerstörerisch wirken und tragen möglicherweise zu degenerativen Erkrankungen des Gehirns sowie zur Demenz bei AIDS bei.
Normalerweise werden die zu den weißen Blutkörperchen gehörenden Immunzellen daran gehindert, aus der Blutbahn ins Zentralnervensystem zu wandern. Der Durchtritt gelingt ihnen eigentlich nur, wenn die Gefäßwände verletzt oder durch Krankheit geschädigt sind.
Daher rührte die früher verbreitete Annahme, dem Zentralnervensystem fehle ein Immunschutz. Wie jedoch Forschungen der letzten Jahre belegen, verfügt es über ein umfangreiches Verteidigungsnetz aus kleineren Zellen des Gliagewebes (benannt nach griechisch glia, Leim). Meist erfüllen diese Mikroglia-Zellen ihre Aufgabe, ohne Neuronen dabei zu schaden. Die Hinweise mehren sich aber, daß sie einige gravierende Leiden mitverursachen oder verschlimmern können, darunter Schlaganfall, Alzheimer-Krankheit, Multiple Sklerose und andere neurodegenerative Erkrankungen.
Die Entdeckung
Als eigenes Gewebe erkannt wurde die Neuroglia im vergangenen Jahrhundert mit der Entwicklung spezieller Färbetechniken für Nervenzellen. Den Begriff eingeführt hat 1846 der deutsche Pathologe Rudolf Virchow (1821 bis 1902); er hielt sie für eine Art einheitliches Bindegewebe, einen uninteressanten Kitt zwischen den Neuronen in Gehirn und Rückenmark. Rund 75 Jahre später waren darin drei verschiedene Zelltypen identifiziert: Astrocyten und Oligodendrocyten (zusammen als Makroglia-Zellen bezeichnet) sowie Mikroglia-Zellen (Bild 1); und in den siebziger Jahren unseres Jahrhunderts war klar, daß zumindest die der Makroglia wichtige Funktionen erfüllen.
So nehmen die sternförmigen Astrocyten, die von allen drei Typen den größten Zellkörper hab


Carol Kincaid-Colton ist außerordentliche Professorin für Physiologie und Biophysik an der Medizinischen Fakultät der Georgetown-Universität in der amerikanischen Bundeshauptstadt Washington. Sie promovierte in Physiologie an der Rutgers-Universität in New Brunswick (New Jersey) und war dann zunächst wissenschaft-liche Mitarbeiterin im Biophysik-Laboratorium der amerikanischen Nationalen Gesundheitsinstitute in Bethesda (Maryland).
Sie und Wolfgang J. Streit verfolgen zwar getrennte Forschungsprogramme, haben aber gemeinsam an der Planung eines Kongresses über Mikroglia gearbeitet. Streit, der an der Medizinischen Universität von South Carolina in Charleston in experimenteller Neuropathologie promovierte, ist außerordentlicher Professor für Neurowissenschaften an der Universität von Florida in Gainsville. Davor war er eine Zeitlang als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in Martinsried tätig.
Er und Carol A. Kincaid-Colton verfolgen zwar getrennte Forschungsprogramme, haben aber gemeinsam an der Planung eines Kongresses über Mikroglia gearbeitet.
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