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Magazin | 15.12.2006

Religion

Vom Glauben zum Wissen und zurück

Dem Papst zufolge kann Wissenschaft ohne Religion nicht zur Wahrheit gelangen. Ist das zu glauben?

"Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen"
Heinrich Heine, Ein Wintermärchen

Michael Springer
Michael Springer ist freier Mitarbeiter bei Spektrum der Wissenschaft.

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aus Spektrum der Wissenschaft Januar 2007

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  • Vom Glauben zum Wissen und zurück

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Lesermeinung

  • 1. Anfänge der Naturwissenschaft

    15.01.2006, Prof. i. R. F. Burgey
    Es ist erfreulich, dass sich ein Naturwissenschaftler mit der Regensburger Vorlesung Benedikts XVI. auseinandersetzt. Allerdings erweckt der Artikel den Eindruck, als seien die Naturwissenschaft und ihre Methoden senkrecht vom Himmel gefallen. Die Anwendung naturwissenschaftlicher Prinzipien hat vielmehr eine lange Entwicklungsgeschichte, in der die Religion eine wichtige Rolle spielte. Die naturwissenschaftliche Denkweise im europäischen Kulturkreis nahm ihren Anfang in der Theologie und Philosophie der Hochscholastik mit der Aristotelesrezeption durch die Theologen Albert den Großen und vor allem Thomas von Aquin (+1274). Aristoteles (+322 v. Chr.) ist der naturwissenschaftlich denkende Philosoph der Antike. Mit der Aristotelesrezeption beginnt in der abendländischen Wissenschaft die innerweltliche Kausalität und Naturgesetzlichkeit eine Rolle zu spielen. In der Summa Theologica z.B. verteidigt Thomas die innerweltliche Ursächlichkeit gegen die arabische Theologie, die alle Kausalität allein von Gott gewirkt sieht. (Sum. Theol. I, qu.115, a 1). Die genannte Stelle zitiert den arabischen Philosophen Avincebron, der sagt, dass nicht das Feuer die Gegenstände seiner Umgebung erwärme, sondern geistige, überweltliche Kräfte. Darin muss überhaupt der entscheidende Durchbruch zu naturwissenschaftlicher Denkweise gesehen werden, dass die Philosophen der Hochscholastik der Welt eine gewisse Eigenständigkeit attestieren. Daher das Diktum C. F. v. Weizsäckers: "Der Begriff des Naturgesetzes ist ein Geschenk des Mittelalters". Von Thomas stammt auch der Satz: "Soweit vermag unser natürliches Erkennen sich zu erstrecken, als es an der Hand geführt werden kann durch die sinnfälligen Dinge". Empirie beginnt eine Rolle zu spielen. Roger Bacon (+1292) verlangt die Hereinnahme des Experiments und der Mathematik in die naturwissenschaftlichen Studien. Er träumt von Autos, Flugzeugen und Unterseebooten, technischem Fortschritt also, der dem Menschen das Leben erleichtern und die Moral stärken soll.
    Aber das sind Anfänge, aus denen sich erst nach Jahrhunderten der Mühsal unsere Wissenschaft entwickelt, zugegeben ab dem 17. Jh. gegen den Widerstand einer blinden Kirche. Aber religiöses Denken spielte für die NW immer eine Rolle, auch in der Gegenwart: Einstein ist zwar strikt gegen kirchliche Religiosität, aber "ich behaupte, dass die kosmische Religiosität die stärkste und edelste Triebfeder wissenschaftlicher Forschung ist" ( A.E. Mein Weltbild Ulm 1979).
    Hinsichtlich des Verhältnisses von Naturwissenschaft und Theologie scheint mir in der Regensburger Vorlesung doch eine Art Konkurrenzmodell vorzuliegen. Aber das Verhältnis ist wohl so zu bestimmten, wie es mein Philosophielehrer E. Deku einmal äußerte: "Hier an der Uni widmen sich alle Fakultäten den Einzelheiten der Welt. Sehr wichtig zweifellos. Hier in der Philosophie dagegen versuchen wir, nicht das Einzelne, sondern den Menschen im Ganzen zu sehen. Den Menschen als Ganzen und den Menschen im Ganzen des Kosmos." Das wäre nun auch die Aufgabe der Theologie. Aber um das zu leisten, müsste sie eben auch die Einzelheiten, die Ergebnisse der Wissenschaften, wahrnehmen. Dass der Glaube immer eine Verpflichtung gegenüber der Vernunft hat, ist im Christentum von Anfang an klar. Sie beweist sich aber nicht durch Zitate aus Bibel und Theologiegeschichte, sondern in der Anwendung auf tägliche Probleme, und da fehlt es leider weit.
  • 2. Ist Hirnforschung geistfeindlich?

    23.12.2006, Dr. Armin Tippe 85247 Schwabhausen
    Bei dem von Michael Springer betonten besonderen Widerstand gegen die Hirnforschung wird stets die angebliche Inkompetenz von Naturwissenschaftlern in Fragen des Leib/Seele-Problems behauptet. Der "Leib-Anteil" dieses Problemkomplexes (z.B. Struktur und Funktionsweise des Gehirns) erhält aber erst jetzt mit der modernen Neurobiologie einen kompetenten Sachvertreter - er war davor völlig unbekannt. Das hinderte bekanntlich nicht, diesen Anteil als nur materiell und daher ontologisch unwesentlich zu disqualifizieren. Heute kann das Problem neu diskutiert werden und die Naturwissenschaft muss dabei als Anwalt für den bisher so verteufelten Leib auftreten dürfen.
  • 3. Keine plausiblen und überzeugenden Alternativtheorien

    27.12.2006, Reiner Vogels, Swisttal-Odendorf
    Sowohl beim Lesen des Editorials von Reinhard Breuer als auch beim Lesen des Essays von Michael Springer ist es mir erneut gegangen wie so oft, wenn ich Texte lesen, in denen sich Naturwissenschaftler über das Verhältnis von Glaube und Vernunft äußern. Immer wieder bin ich erstaunt, mit welcher Selbstsicherheit und welcher Unangefochtenheit Naturwissenschaftler den Anspruch zu erheben scheinen, sie hätten die Grundfragen der Wirklichkeit gelöst oder sie verfügten doch zumindest über die Methoden, mit denen die Antwort auf diese Fragen gefunden werden könne. Immer wieder bin ich erstaunt, dass manche der Naturwissenschaftler dann sogar zur Haltung einer gewissen Indolenz gegenüber den Vetretern des Glaubens zu neigen scheinen.

    Dabei sind die Ansprüche der Naturwissenschaftler in gar keiner Weise durch die Fakten gedeckt. Es ist nun einmal bis auf den heutigen Tag so, dass die Naturwissenschaft, was die Grundfragen des Seins und des Lebens betrifft, den Schöpfungsmythen des Glaubens keine plausiblen und überzeugenden Alternativtheorien hat entgegenstellen können.

    Das gilt ja schon auf dem ureigensten Gebiet der Naturwissenschaft selbst, auf dem Gebiet also, auf dem es eigentlich keinen Konkurrenzkampf zwischen Vernunft und Glaube geben sollte:
  • 4. Domäne des Geistigen

    27.12.2006, Paul Kalbhen, Gummersbach
    Im Essay Michael Springers finde ich besonders bemerkenswert, dass er - wenn schon nicht den Primat des Geistes - die "Domäne des Geistigen" im Dialog zwischen Glaube und Wissen, zwischen Religion und Naturwissenschaft betont, eine Perspektive, die bei empirischen Forschern oft zu kurz kommt. Meiner Meinung nach muss man die Möglichkeit eines geistigen - schöpferischen - Prinzips hinter den Prozessen, Codierungen und Gesetzmäßigkeiten des kosmologischen und biologischen Evolutionsgeschehens anerkennen, das sich in mathematischen Algorithmen kundtut.
  • 5. Wissen und Werte

    27.12.2006, Dr. Torsten Müller, 12439 Berlin
    Sehr gut, dass Spektrum die Regensburger Rede aufgegriffen hat. Sie war ein Schlag ins Gesicht des wissenschaftlichen Denkens und der Aufklärung. Denken und humanistische Werte bedingen sich mehr als Glauben Bescheidenheit vor der Schöpfung.
  • 6. Ethik besser als Religionen

    02.01.2007, Dipl. Ing. Maurus Candrian, St. Gallen, Schweiz
    Michael Springer deutet es am Schluss seines Essays an: Die naturwissenschaftliche Vernunft widerspricht einer Gottes-Existenz. Wir leben im 3. Jahrtausend, über 300 Jahre nach Beginn des Aufklärungszeitalters. Wenigstens die naturwissenschaftlich gebildete Bevölkerung sollte langsam öffentlich dazu stehen, dass die Religionen, ob nun christliche, muslimische, jüdische, hinduistische, buddhistische oder welche auch immer, allesamt auf Irrglauben beruhen (vgl. hierzu auch Artikel "Der heisse Ursprung des Lebens" im selben Heft).

    Dennoch haben offenbar sehr viele Leute das Bedürfnis nach "nichtmateriellem Halt". Wenn nun die Religionen als Lebensphilosophie-Fundament wegbrechen, womit dann das Vakuum auffüllen? Mit einer einfachen Grundethik: Wir sollten danach streben, dass es allen Menschen weltweit und auch der Natur mindestens einigermaßen gut geht. Dann gäbe es keine Kriege mehr, keine extremen Wohlstandsunterschiede, keine grossen Umweltzerstörungen mehr. Die Welt wäre eine bessere.

  • 7. Eine erfrischende Stellungnahme

    02.01.2007, Dr. Camillo Signor, Wien
    Ich persönlich ziehe für die vom Autor im Abschluss-Statement getroffene Prognose den Ausdruck "Überzeugung" vor, um den Begriff "Glauben" davon besser abzugrenzen und den Religionen vorzubehalten. In diesem Sinne könnte man Glaube definieren als Aufstellung oder Akzeptanz von Behauptungen betreffend die Existenz von Dingen oder Sachverhalten, die ihren Geltungsanspruch nicht aus überprüfbaren Beobachtungen oder Schlussfolgerungen ableiten, sondern unter Berufung auf nicht weiter hinterfragbare Quellen (göttliche Offenbarung, spirituelle Erfahrung etc.). Charakteristisch hierfür ist der Versuch, diese Quellen jeglicher Kritik zu entziehen (z.B. das niedergeschriebene Wort des allwissenden Gottes kann nicht falsch sein – Prinzip der Inerranz). Demgegenüber könnte man Überzeugungen definieren als vorläufig plausibelste Annahmen basierend auf dem momentan zugänglichen Wissensstand (Fallabilität des Wissens).
    Dennoch ist leider zu erwarten dass sich die religiösen Führer auch in nächster Zeit um ihre Anhängerschaft keine Sorgen zu machen brauchen, da für Letztere Religionen ja vorrangig nicht als Welterklärungsmodell dienen sondern vielmehr emotionale Bedürfnisse abdecken (ausgleichende Gerechtigkeit im Jenseits für im Leben erfahrenes Unrecht, Bewältigung der eigenen Sterblichkeit etc.). Und für diese mehrheitliche Klientel ist es leider irrelevant, dass religiöse Weltmodelle den wissenschaftlichen keinerlei zusätzliche Erklärungskraft hinzufügen können und daher, wenn sie auch nicht widerlegbar sind, so nach dem Prinzip der sparsamsten Erklärung (Occam's Rasiermesser) verworfen werden müssten.
    Beiträge, wie dieses Essay von Hrn. Springer (dessen Kolumne ich auch sonst sehr schätze) sehe ich jedenfalls als überaus wertvolle Wortmeldung.
  • 8. Altgriechische Vernunft und christlicher Glaube

    06.01.2007, Bernd Ehlert, Bad Rodach
    Es lohnt sich, die von Benedikt genannte Synthese zwischen altgriechischer Philosophie und Christentum, auf die er als Zweischwingenthese die Überlegenheit des Christentums gründet, einmal genauer und wissenschaftlich zu betrachten. Bezüglich des Kerns des Christentums, nämlich der endgültigen Definition des christlichen Gottesbildes ca. 300-400 Jahre (!) nach Christus heißt es etwa in dem Buch „Plotin und der Neuplatonismus“ von Jens Halfwassen (München 2004): „Es gehört zu den merkwürdigsten Ironien der Geschichte, dass ausgerechnet der erklärte Christenfeind Porphyrios mit seinem trinitarischen Gottesbegriff, den er aus der Interpretation der Chaldäischen Orakel entwickelte, zum wichtigsten Anreger für die Ausbildung des kirchlichen Trinitätsdogmas im 4. Jahrhundert wurde. […] Es war ausgerechnet Porphyrios, der die rechtgläubigen Kirchenväter gelehrt hatte, wie man die wechselseitige Implikation und damit die Gleichwesentlichkeit von drei unterschiedenen, aber nicht getrennten Momenten in Gott mit der Einheit Gottes zusammendenken kann, wodurch die Gottheit Christi erst mit dem biblischen Monotheismus vereinbar wurde“ (S. 152).
    Befindet sich das Christentum heute gemäß der Zweischwingenthese von Benedikt in bester Übereinstimmung mit der neuplatonischen Philosophie, der es sein Gottesbild zu verdanken hat? Nein, denn Porphyrios lehnte wie sein Lehrer Plotin jede Bestimmung des Absoluten strikt ab, d.h. nicht nur den Glauben an einen personalen Gott, sondern erst recht den an seine Menschwerdung. Der trinitarische Gottesbegriff der griechischen Philosophie stand metaphorisch für den besonderen Erkenntnisprozess des Einen, Absoluten in der menschlichen Seele. Die Christen übernahmen diese Metapher der damaligen Philosophie und Wissenschaft, setzten sie aber mit dem Absoluten gleich und bezogen es auf den Menschen Jesus. Während die dreieinige Gottesvorstellung im Neuplatonismus dazu diente, als reine Metapher „die Übereinstimmung Platons mit der religiösen Weisheit aller alten Kulturvölker, namentlich der indischen Brahmanen, der Juden, der Magier (der Anhänger Zarathustras) und der Ägypter“ (Halfw. S. 149) herzustellen, indem die religiösen Inhalte ihrer mythischen Vorstellungsformen entkleidet und in philosophische Begriffe übersetzt wurden (vgl. Halfw. S. 149), bildeten die Christen aus dieser Metapher eine neue mythische Vorstellungsform, in der sie meinten, das Absolute exklusiv erkannt zu haben und zu besitzen – und machten damit, als sie im Römischen Reich an die Macht kamen, den umfassenden Einigungsversuch von Porphyrios zunichte.
    Was das bis heute bedeutet, verdeutlicht eine Aussage Nikolaus von Kues über die Mohammedaner oder Sarazenen: „Mit diesen bekennen die Juden gleicherweise den Messias als größten, vollkommensten und unsterblichen Menschen, dessen Gottheit sie, durch dieselbe teuflische Blindheit gehindert, leugnen“ (N. v. Kues, Die belehrte Unwissenheit, Buch III, Hamburg 1999, S. 59). Heute wird das nicht mehr offen so gesagt, nur manchmal rutscht es in einer Rede doch heraus. Während die Menschen heute immer noch der anthropomorphen Gottesvorstellung anhängen, die meint, das Absolute in dem jeweiligen Bild exklusiv erkannt zu haben und es sogar mit einem historischen Menschen identifiziert, war das für Porphyrios und Plotin ein „Rückfall in den schon von Platon und dem Vorsokratiker Xenophanes (6.Jahrhundert v. Chr.) bekämpften Anthropomorphismus“ (Halfw. S. 151). Xenophanes, auch Sturmvogel der griechischen Aufklärung genannt, hatte schon 500 Jahre vor Christus gespottet, dass, wenn Pferde Götter hätten, diese wie Pferde aussehen würden.
    Die Zweischwingenthese von Benedikt funktioniert nicht, sondern beinhaltet einen Anachronismus, den die alten Griechen, auf die sich Benedikt mit dieser These beruft, schon lange überwunden hatten. Die Situation im so genannten Heiligen Land der drei abrahamitischen Weltreligionen, die allesamt weiter der anthropomorphen Gottesvorstellung frönen, gibt gut und treffend die letztendlichen Folgen und Konsequenzen dieses Weltbildes wieder.

  • 9. Glückwunsch!

    07.01.2007, Edith Kleine-Albers, 86938 Schondorf
    Glückwunsch!
    Einer, der es wagt, Aussagen des Papstes offen kritisch zu interpretieren!
    Es wird mir ohnehin immer unverständlich bleiben, wie Millionen von Katholiken einen ehemaligen Angehörigen der Inquisition (später umbenannt, damit es nicht mehr auffällt, inhaltlich das- selbe) als ihr Oberhaupt anerkennen kann.

    Edith Kleine-Albers
  • 10. Einseitig atheistische Darstellung

    12.01.2007, Prof. Dr. Jürgen Schnack, Osnabrück
    Seit einigen Ausgaben geben Sie Herrn Michael Springer in Ihrer Zeitschrift breiten Raum, seine atheistische Meinung zur Religion darzustellen. Ich muss sagen, dass mich die Auslassungen bisweilen bitter an den Unterricht über den dialektischen und historischen Materialismus erinnern, den ich in der DDR genießen durfte.
    Herr Springer wählt in seinen Darstellungen die Tatsachen so aus, dass sie in sein Argumentationskonzept passen.
    Die christliche Kirche sei stets hemmend und Neuem gegenüber nicht aufgeschlossen gewesen. Hier muss natürlich sofort Galilei herangezogen werden, wie natürlich auch nicht verschwiegen werden darf, dass Kardinal Ratzinger quasi die historische Verlängerung der Inquisition ist.
    Dass über Jahrhunderte die Ausbreitung von Schrift, Literatur und Kunst nur über die Klöster erfolgte, braucht in so einer Argumentation natürlich nicht weiter beachtet zu werden.
    Im weiteren Verlauf sind nicht alle Gedanken schlecht, aber eben stark mit Polemik verwoben. Der Spott von Ernst Haeckel über Gott als gasförmiges Wirbeltier ist einfach nur beleidigend und hätte in einem seriösen Artikel nichts zu suchen.

  • 11. Ernsthaftes Bemühen, eine Verbindung herzustellen

    18.01.2007, Carlo von Ah, Hünenberg (Schweiz)
    Dem Suchenden nach tieferen Wahrheiten machen es die Hüter der „reinen Lehre“ auf der Seite der Religion und des Glaubens – zum Beispiel der Papst – nicht einfach. Jene des „reinen Verstandes“ auf Seiten der Wissenschaft – zum Beispiel Michael Springer – nicht weniger. Beide verfügen über gute Argumente, aber auch über eine ganze Historie von Irrtümern im eigenen Revier. Dass nur das eine oder das andere im Sinne des Allein-selig-Machenden gelten soll, ist gelinde gesagt unbefriedigend. Ebenso die verlegene Toleranz eines Lebens in zwei Welten, die nichts miteinander zu tun haben wollen, und dies gerade in einer Zeit, in der die Physiker nach einer vereinheitlichten Theorie suchen. Wahrscheinlich führen uns da „Grenzgänger“ weiter, die den Beweis wissenschaftlichen Denkens längst erbracht haben, jedoch mit ernsthaftem Bemühen eine Verbindung in ein Terrain herzustellen suchen, dessen Existenz sie mindestens vermuten und dem sie mit ihrer Methodik nicht beikommen. Ich verweise auf die Beiträge im Buch, das Prof. Hans-Peter Dürr, der Leiter des Max-Planck-Institutes für Physik, unter dem Titel „Physik und Transzendenz“ herausgegeben hat. Des Weiteren jene des Astrophysikers Prof. Arnold Benz, des Physikers Paul Davies, des theoretischen Physikers (und nun anglikanischen Theologen) John Polkinghorne und andere mehr.
  • 12. Mit Wissenschaftlichkeit zum Wissen

    28.01.2007, Andreas Maier, Regensburg
    Sehr geehrte Redaktion von Spektrum der Wissenschaft
    Bei der Lektüre dieses Artikels musste ich mit Bedauern feststellen, dass die sonst in SdW aus offenliegenden Gründen peinlich genau gewahrte Wissenschaftlichkeit leidet.
    Springer führt einen unwissenschaftlichen Rundumschlag gegen viele verschiedene Thesen von Benedikt XVI. Schon der erste Absatz, wo der Autor auf die Islamkritik anspielt, zeigt, dass sich Springer offensichtlich als „gelernter Physiker“ lieber nicht auf dieses weite Feld gewagt hätte. Denn weder hat er den Sinn des Zitats erfasst, das in diesem Fall lediglich Beiwerk ist, noch ist er kundig auf diesem Fachgebiet. Wenn er sich wenigstens einiger weniger (theo-)logischer Argumente bewusst gewesen wäre, hätte er sie – in wissenschaftlicher Tradition – anführen und widerlegen müssen, anstatt einfach nur eine angedeutete Hypothese als allgemeingültig in den Raum zu stellen.
    Auch werden theologische Fragestellungen wie die Beziehungen Glaube-Vernunft, Glaube-Wissenschaft und der Lückenbüßergott vermeintlich ernstzunehmend behandelt und als ungelöst und vom Klerus gemieden dargestellt, die im theologischen Gedankengut längst bekannt und vom Tisch sind! Ironischerweise muss ich dem Autor das Buch „Einführung in das Christentum“ von Joseph Ratzinger empfehlen, in dessen ersten 100 Seiten diese Themen schlüssig abgearbeitet werden.
    Mit viel Interesse würde ich eine wissenschaftlich fundierte und sachkundige Ausführung über dieses Thema lesen, egal, ob sie, wie hier, gegen oder für den christlichen Glauben spricht. Wenn aber selbst mein Wissen als Laie ausreicht, um jeden zweiten Absatz des Essays als sachunkundig und unbegründet zu erkennen, kann es mit der Sachkenntnis und Neutralität des Autors nicht weit her sein.
    In diesem Sinne bitte ich sie, den Anspruch von SdW auf Wissenschaftlichkeit und Kompetenz auch bei scheinbar unwissenschaftlichen und subjektiven Themen wie Religion zu wahren.

  • 13. Sprachlosigkeit der Naturwissenschaft

    14.03.2007, Josef Bohr, Merzig
    Mit Interesse habe ich das Essay „Vom Glaube zum Wissen und zurück“ von Michael Springer gelesen. Dieser Beitrag, angelegt als späte Replik auf die Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI, zeigt die selbst auferlegte Sprachlosigkeit der Naturwissenschaft auf eine herausfordernde Anfrage aus den Geisteswissenschaften. In einer Zeit, wo sich die Menschen durch die Folgen ausufernder ökonomischer Prozesse und irrationalem Terror in ihrer Aufmerksamkeit verstärkt der Sinnfrage zuwenden, verliert eine auf technische und wissenschaftliche Machbarkeit hin orientierte Naturwissenschaft an Erklärungsmustern.
    Desto erstaunlicher ist die Polemik, die aus dem Beitrag von M. Springer heraussticht. Anstatt den Diskurs, den der Papst durchaus provoziert, anzunehmen, verliert er sich in einer bereden Selbstbeschränkung, die ich so zusammenfassen möchte: „Wir haben uns nichts zu sagen, und die, die es versucht haben, wurden nicht ernst genommen.“ Geradezu abenteuerlich ist dann noch der Ausflug in die Gehirnforschung mit dem Ausblick, dass die Erkenntnisse dieses Forschungszweiges entweder in einer tiefen Widersprüchlichkeit oder aber in der Erklärbarkeit der Wirklichkeit als biochemischer neuronaler Prozess gipfeln könnten. Das ist in meinen Augen geradezu die Flucht in den absoluten Relativismus mit der vollkommenen Reduktion der Vernunft.
    Ich sehe anhand dieses Essays die Gefahr der Selbstausgrenzung der Naturwissenschaften an dem nicht zuletzt durch J. Habermas angestoßenen gesellschaftlichen Diskurs. Es wäre meiner Meinung nach klug, in angemessener Form auf Anfragen aus den Geisteswissenschaften zu reagieren. Es könnte sich als Irrtum der Naturwissenschaften erweisen, sich im Glauben zu wiegen, im Besitz des Steines der Weisen zu sein, während sich gleichzeitig die Geisteswissenschaft der äußerst spannenden Diskussion bspw. um die Zukunft unserer Gesellschaft stellt. Aber die Naturwissenschaft trägt ebenfalls ihre Verantwortung. Schon jetzt sind in der Ökonomie Formen von Sozialdarwinismus erkennbar. Diese beziehen sich auf Erkenntnisse der Naturwissenschaft. Wenn sie zum Zerreißen des gesellschaftlichen Zusammenhalts führen, hat die Naturwissenschaft einmal mehr durch ihre Sprachlosigkeit und mangelnder ethischer Reflexion versagt.
    -----
  • 14. Ursache und Wirkung

    30.03.2007, Winfried Platz, Baiersdorf
    Herr Springer nimmt es mutig mit einem sperrigen
    Thema auf, leider wohl vor einem Forum weit gehend Gleichgesinnter - ob der Papst das jemals liest?
    Bei den ungelösten Rätseln der Natur sieht Herr Springer die Nähe zum Betätigungsfeld der Religionen und führt als Beispiel die Naturkonstanten an: Warum sind deren Beträge
    genau so groß, dass nur dann ein Universum sein
    kann? Ich bin der Meinung, hier werden schlicht
    Ursache und Wirkung verwechselt, denn eben nur
    weil das Universum besteht, sind die Konstanten
    so wie sie sind. Sie wurden sozusagen gefunden
    durch die Entstehung des Universums.
    Analog begründen Esoteriker die göttliche Urheberschaft beim Sonnensystem gern damit, dass Umlaufzeiten, Bahnradien u.ä. gerade in solchen (z.B. ganzzahlig teilerfremden) Verhältnissen stehen, dass die Planeten in ihren Bewegungen nicht zerstörerisch interagieren können.
    Auch hier gilt jedoch im Umkehrschluss, dass das
    heute beobachtbare System derart sicher ist, weil es eben gefunden wurde durch Eliminierung aller nicht konformen Massen und Bahnen.
    Davon zeugen Planetoiden- und Kuipergürtel, Oortsche Wolke, aber auch die stark nachlassende Einschlagshäufigkeit auf den beobachtbaren Planeten und Monden im Sonnensystem.
Folgende Zahl bitte eingeben.
19212 + acht
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