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1. Anfänge der Naturwissenschaft
15.01.2006, Prof. i. R. F. BurgeyAber das sind Anfänge, aus denen sich erst nach Jahrhunderten der Mühsal unsere Wissenschaft entwickelt, zugegeben ab dem 17. Jh. gegen den Widerstand einer blinden Kirche. Aber religiöses Denken spielte für die NW immer eine Rolle, auch in der Gegenwart: Einstein ist zwar strikt gegen kirchliche Religiosität, aber "ich behaupte, dass die kosmische Religiosität die stärkste und edelste Triebfeder wissenschaftlicher Forschung ist" ( A.E. Mein Weltbild Ulm 1979).
Hinsichtlich des Verhältnisses von Naturwissenschaft und Theologie scheint mir in der Regensburger Vorlesung doch eine Art Konkurrenzmodell vorzuliegen. Aber das Verhältnis ist wohl so zu bestimmten, wie es mein Philosophielehrer E. Deku einmal äußerte: "Hier an der Uni widmen sich alle Fakultäten den Einzelheiten der Welt. Sehr wichtig zweifellos. Hier in der Philosophie dagegen versuchen wir, nicht das Einzelne, sondern den Menschen im Ganzen zu sehen. Den Menschen als Ganzen und den Menschen im Ganzen des Kosmos." Das wäre nun auch die Aufgabe der Theologie. Aber um das zu leisten, müsste sie eben auch die Einzelheiten, die Ergebnisse der Wissenschaften, wahrnehmen. Dass der Glaube immer eine Verpflichtung gegenüber der Vernunft hat, ist im Christentum von Anfang an klar. Sie beweist sich aber nicht durch Zitate aus Bibel und Theologiegeschichte, sondern in der Anwendung auf tägliche Probleme, und da fehlt es leider weit.
2. Ist Hirnforschung geistfeindlich?
23.12.2006, Dr. Armin Tippe 85247 Schwabhausen3. Keine plausiblen und überzeugenden Alternativtheorien
27.12.2006, Reiner Vogels, Swisttal-OdendorfDabei sind die Ansprüche der Naturwissenschaftler in gar keiner Weise durch die Fakten gedeckt. Es ist nun einmal bis auf den heutigen Tag so, dass die Naturwissenschaft, was die Grundfragen des Seins und des Lebens betrifft, den Schöpfungsmythen des Glaubens keine plausiblen und überzeugenden Alternativtheorien hat entgegenstellen können.
Das gilt ja schon auf dem ureigensten Gebiet der Naturwissenschaft selbst, auf dem Gebiet also, auf dem es eigentlich keinen Konkurrenzkampf zwischen Vernunft und Glaube geben sollte:
4. Domäne des Geistigen
27.12.2006, Paul Kalbhen, Gummersbach5. Wissen und Werte
27.12.2006, Dr. Torsten Müller, 12439 Berlin6. Ethik besser als Religionen
02.01.2007, Dipl. Ing. Maurus Candrian, St. Gallen, SchweizDennoch haben offenbar sehr viele Leute das Bedürfnis nach "nichtmateriellem Halt". Wenn nun die Religionen als Lebensphilosophie-Fundament wegbrechen, womit dann das Vakuum auffüllen? Mit einer einfachen Grundethik: Wir sollten danach streben, dass es allen Menschen weltweit und auch der Natur mindestens einigermaßen gut geht. Dann gäbe es keine Kriege mehr, keine extremen Wohlstandsunterschiede, keine grossen Umweltzerstörungen mehr. Die Welt wäre eine bessere.
7. Eine erfrischende Stellungnahme
02.01.2007, Dr. Camillo Signor, WienDennoch ist leider zu erwarten dass sich die religiösen Führer auch in nächster Zeit um ihre Anhängerschaft keine Sorgen zu machen brauchen, da für Letztere Religionen ja vorrangig nicht als Welterklärungsmodell dienen sondern vielmehr emotionale Bedürfnisse abdecken (ausgleichende Gerechtigkeit im Jenseits für im Leben erfahrenes Unrecht, Bewältigung der eigenen Sterblichkeit etc.). Und für diese mehrheitliche Klientel ist es leider irrelevant, dass religiöse Weltmodelle den wissenschaftlichen keinerlei zusätzliche Erklärungskraft hinzufügen können und daher, wenn sie auch nicht widerlegbar sind, so nach dem Prinzip der sparsamsten Erklärung (Occam's Rasiermesser) verworfen werden müssten.
Beiträge, wie dieses Essay von Hrn. Springer (dessen Kolumne ich auch sonst sehr schätze) sehe ich jedenfalls als überaus wertvolle Wortmeldung.
8. Altgriechische Vernunft und christlicher Glaube
06.01.2007, Bernd Ehlert, Bad RodachBefindet sich das Christentum heute gemäß der Zweischwingenthese von Benedikt in bester Übereinstimmung mit der neuplatonischen Philosophie, der es sein Gottesbild zu verdanken hat? Nein, denn Porphyrios lehnte wie sein Lehrer Plotin jede Bestimmung des Absoluten strikt ab, d.h. nicht nur den Glauben an einen personalen Gott, sondern erst recht den an seine Menschwerdung. Der trinitarische Gottesbegriff der griechischen Philosophie stand metaphorisch für den besonderen Erkenntnisprozess des Einen, Absoluten in der menschlichen Seele. Die Christen übernahmen diese Metapher der damaligen Philosophie und Wissenschaft, setzten sie aber mit dem Absoluten gleich und bezogen es auf den Menschen Jesus. Während die dreieinige Gottesvorstellung im Neuplatonismus dazu diente, als reine Metapher „die Übereinstimmung Platons mit der religiösen Weisheit aller alten Kulturvölker, namentlich der indischen Brahmanen, der Juden, der Magier (der Anhänger Zarathustras) und der Ägypter“ (Halfw. S. 149) herzustellen, indem die religiösen Inhalte ihrer mythischen Vorstellungsformen entkleidet und in philosophische Begriffe übersetzt wurden (vgl. Halfw. S. 149), bildeten die Christen aus dieser Metapher eine neue mythische Vorstellungsform, in der sie meinten, das Absolute exklusiv erkannt zu haben und zu besitzen – und machten damit, als sie im Römischen Reich an die Macht kamen, den umfassenden Einigungsversuch von Porphyrios zunichte.
Was das bis heute bedeutet, verdeutlicht eine Aussage Nikolaus von Kues über die Mohammedaner oder Sarazenen: „Mit diesen bekennen die Juden gleicherweise den Messias als größten, vollkommensten und unsterblichen Menschen, dessen Gottheit sie, durch dieselbe teuflische Blindheit gehindert, leugnen“ (N. v. Kues, Die belehrte Unwissenheit, Buch III, Hamburg 1999, S. 59). Heute wird das nicht mehr offen so gesagt, nur manchmal rutscht es in einer Rede doch heraus. Während die Menschen heute immer noch der anthropomorphen Gottesvorstellung anhängen, die meint, das Absolute in dem jeweiligen Bild exklusiv erkannt zu haben und es sogar mit einem historischen Menschen identifiziert, war das für Porphyrios und Plotin ein „Rückfall in den schon von Platon und dem Vorsokratiker Xenophanes (6.Jahrhundert v. Chr.) bekämpften Anthropomorphismus“ (Halfw. S. 151). Xenophanes, auch Sturmvogel der griechischen Aufklärung genannt, hatte schon 500 Jahre vor Christus gespottet, dass, wenn Pferde Götter hätten, diese wie Pferde aussehen würden.
Die Zweischwingenthese von Benedikt funktioniert nicht, sondern beinhaltet einen Anachronismus, den die alten Griechen, auf die sich Benedikt mit dieser These beruft, schon lange überwunden hatten. Die Situation im so genannten Heiligen Land der drei abrahamitischen Weltreligionen, die allesamt weiter der anthropomorphen Gottesvorstellung frönen, gibt gut und treffend die letztendlichen Folgen und Konsequenzen dieses Weltbildes wieder.
9. Glückwunsch!
07.01.2007, Edith Kleine-Albers, 86938 SchondorfEiner, der es wagt, Aussagen des Papstes offen kritisch zu interpretieren!
Es wird mir ohnehin immer unverständlich bleiben, wie Millionen von Katholiken einen ehemaligen Angehörigen der Inquisition (später umbenannt, damit es nicht mehr auffällt, inhaltlich das- selbe) als ihr Oberhaupt anerkennen kann.
Edith Kleine-Albers
10. Einseitig atheistische Darstellung
12.01.2007, Prof. Dr. Jürgen Schnack, OsnabrückHerr Springer wählt in seinen Darstellungen die Tatsachen so aus, dass sie in sein Argumentationskonzept passen.
Die christliche Kirche sei stets hemmend und Neuem gegenüber nicht aufgeschlossen gewesen. Hier muss natürlich sofort Galilei herangezogen werden, wie natürlich auch nicht verschwiegen werden darf, dass Kardinal Ratzinger quasi die historische Verlängerung der Inquisition ist.
Dass über Jahrhunderte die Ausbreitung von Schrift, Literatur und Kunst nur über die Klöster erfolgte, braucht in so einer Argumentation natürlich nicht weiter beachtet zu werden.
Im weiteren Verlauf sind nicht alle Gedanken schlecht, aber eben stark mit Polemik verwoben. Der Spott von Ernst Haeckel über Gott als gasförmiges Wirbeltier ist einfach nur beleidigend und hätte in einem seriösen Artikel nichts zu suchen.
11. Ernsthaftes Bemühen, eine Verbindung herzustellen
18.01.2007, Carlo von Ah, Hünenberg (Schweiz)12. Mit Wissenschaftlichkeit zum Wissen
28.01.2007, Andreas Maier, RegensburgBei der Lektüre dieses Artikels musste ich mit Bedauern feststellen, dass die sonst in SdW aus offenliegenden Gründen peinlich genau gewahrte Wissenschaftlichkeit leidet.
Springer führt einen unwissenschaftlichen Rundumschlag gegen viele verschiedene Thesen von Benedikt XVI. Schon der erste Absatz, wo der Autor auf die Islamkritik anspielt, zeigt, dass sich Springer offensichtlich als „gelernter Physiker“ lieber nicht auf dieses weite Feld gewagt hätte. Denn weder hat er den Sinn des Zitats erfasst, das in diesem Fall lediglich Beiwerk ist, noch ist er kundig auf diesem Fachgebiet. Wenn er sich wenigstens einiger weniger (theo-)logischer Argumente bewusst gewesen wäre, hätte er sie – in wissenschaftlicher Tradition – anführen und widerlegen müssen, anstatt einfach nur eine angedeutete Hypothese als allgemeingültig in den Raum zu stellen.
Auch werden theologische Fragestellungen wie die Beziehungen Glaube-Vernunft, Glaube-Wissenschaft und der Lückenbüßergott vermeintlich ernstzunehmend behandelt und als ungelöst und vom Klerus gemieden dargestellt, die im theologischen Gedankengut längst bekannt und vom Tisch sind! Ironischerweise muss ich dem Autor das Buch „Einführung in das Christentum“ von Joseph Ratzinger empfehlen, in dessen ersten 100 Seiten diese Themen schlüssig abgearbeitet werden.
Mit viel Interesse würde ich eine wissenschaftlich fundierte und sachkundige Ausführung über dieses Thema lesen, egal, ob sie, wie hier, gegen oder für den christlichen Glauben spricht. Wenn aber selbst mein Wissen als Laie ausreicht, um jeden zweiten Absatz des Essays als sachunkundig und unbegründet zu erkennen, kann es mit der Sachkenntnis und Neutralität des Autors nicht weit her sein.
In diesem Sinne bitte ich sie, den Anspruch von SdW auf Wissenschaftlichkeit und Kompetenz auch bei scheinbar unwissenschaftlichen und subjektiven Themen wie Religion zu wahren.
13. Sprachlosigkeit der Naturwissenschaft
14.03.2007, Josef Bohr, MerzigDesto erstaunlicher ist die Polemik, die aus dem Beitrag von M. Springer heraussticht. Anstatt den Diskurs, den der Papst durchaus provoziert, anzunehmen, verliert er sich in einer bereden Selbstbeschränkung, die ich so zusammenfassen möchte: „Wir haben uns nichts zu sagen, und die, die es versucht haben, wurden nicht ernst genommen.“ Geradezu abenteuerlich ist dann noch der Ausflug in die Gehirnforschung mit dem Ausblick, dass die Erkenntnisse dieses Forschungszweiges entweder in einer tiefen Widersprüchlichkeit oder aber in der Erklärbarkeit der Wirklichkeit als biochemischer neuronaler Prozess gipfeln könnten. Das ist in meinen Augen geradezu die Flucht in den absoluten Relativismus mit der vollkommenen Reduktion der Vernunft.
Ich sehe anhand dieses Essays die Gefahr der Selbstausgrenzung der Naturwissenschaften an dem nicht zuletzt durch J. Habermas angestoßenen gesellschaftlichen Diskurs. Es wäre meiner Meinung nach klug, in angemessener Form auf Anfragen aus den Geisteswissenschaften zu reagieren. Es könnte sich als Irrtum der Naturwissenschaften erweisen, sich im Glauben zu wiegen, im Besitz des Steines der Weisen zu sein, während sich gleichzeitig die Geisteswissenschaft der äußerst spannenden Diskussion bspw. um die Zukunft unserer Gesellschaft stellt. Aber die Naturwissenschaft trägt ebenfalls ihre Verantwortung. Schon jetzt sind in der Ökonomie Formen von Sozialdarwinismus erkennbar. Diese beziehen sich auf Erkenntnisse der Naturwissenschaft. Wenn sie zum Zerreißen des gesellschaftlichen Zusammenhalts führen, hat die Naturwissenschaft einmal mehr durch ihre Sprachlosigkeit und mangelnder ethischer Reflexion versagt.
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14. Ursache und Wirkung
30.03.2007, Winfried Platz, BaiersdorfThema auf, leider wohl vor einem Forum weit gehend Gleichgesinnter - ob der Papst das jemals liest?
Bei den ungelösten Rätseln der Natur sieht Herr Springer die Nähe zum Betätigungsfeld der Religionen und führt als Beispiel die Naturkonstanten an: Warum sind deren Beträge
genau so groß, dass nur dann ein Universum sein
kann? Ich bin der Meinung, hier werden schlicht
Ursache und Wirkung verwechselt, denn eben nur
weil das Universum besteht, sind die Konstanten
so wie sie sind. Sie wurden sozusagen gefunden
durch die Entstehung des Universums.
Analog begründen Esoteriker die göttliche Urheberschaft beim Sonnensystem gern damit, dass Umlaufzeiten, Bahnradien u.ä. gerade in solchen (z.B. ganzzahlig teilerfremden) Verhältnissen stehen, dass die Planeten in ihren Bewegungen nicht zerstörerisch interagieren können.
Auch hier gilt jedoch im Umkehrschluss, dass das
heute beobachtbare System derart sicher ist, weil es eben gefunden wurde durch Eliminierung aller nicht konformen Massen und Bahnen.
Davon zeugen Planetoiden- und Kuipergürtel, Oortsche Wolke, aber auch die stark nachlassende Einschlagshäufigkeit auf den beobachtbaren Planeten und Monden im Sonnensystem.