Warum genau jedoch die Tiere nach dem Waran-Biss zu Grunde gingen, war unklar. Sicher war nur: Die Wunden der Opfer bluteten noch lange, und manchmal verfielen die Tiere in eine Art Schockstarre. Die Vermutung lag nahe, dass die Echsen Gift nutzten. Aber in den Zähnen der Komodowarane fanden sich nicht die typischen Rillen, die von Schlangen oder anderen giftigen Echsen bekannt sind und durch die ein Gift hätte entweichen können.
Lascher Biss, versteckte Giftkanäle
Die Forscher ermittelten zuerst, ob die Komodowarane nicht möglicherweise doch in der Lage sind, ihre Beute durch einen kräftigen Druck mit dem Kiefer zu töten. Dazu verglichen sie in einem Computermodell die Beißkraft eines Komodowarans mit der eines australischen Salzwasserkrokodils ähnlicher Größe. Schnell stand fest: Den Waranen fehlt schlicht der Biss. Jedes ähnlich große Krokodil kann mit seinen Kiefern sechseinhalbmal mehr Kraft entwickeln. Größere Beutetiere totzubeißen kommt bei Waranen also nicht in Frage.
Gigant mit Giftspritze?
Um ihre Theorie zu bestätigen, brauchten die Forscher nun noch eine Probe des potenziellen Gifts – und das aus einem noch lebenden Tier. Weil Komodowarane streng geschützt sind, wandten sie sich an den Singapore Zoological Garden. Hier gab es einen alten Waran, der tödlich erkrankt war. Ihm konnten die Forscher in einer Operation unter Narkose eine der neu entdeckten Drüsen entfernen.
Weil der Komodowaran zudem eng verwandt ist mit dem bereits ausgestorbenen Varanus prisca, vermuten die Forscher nun, dass auch dieser Koloss, der fossilen Funden zufolge mindestens 5,5 Meter lang wurde und stolze 575 Kilo auf die Waage brachte, giftbewehrt gewesen sein könnte. Er wäre damit das größte giftige Tier, das jemals auf der Erde gelebt hätte.


Freie Wissenschaftsjournalistin 





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