unsere Sonne ist eine Sadistin: Jede Sekunde durchbohrt sie unseren Körper mit rund einer halben Billiarde Neutrinos. Tag für Tag. Nacht für Nacht. Denn auch wenn unser Tagesgestirn unter dem Horizont steht, geht das Bombardement weiter. Neutrinos durchdringen den Erdglobus völlig ungehindert – so, als sei er gar nicht vorhanden. Das ist unser Glück, denn nur weil sich diese Teilchen so geisterhaft benehmen, merken wir nichts von ihnen.
Immerhin wissen wir inzwischen, dass es Neutrinos gibt. Der Physiker Wolfgang Pauli »erfand« diese Teilchen vor achtzig Jahren aus purer Not – um die Ergebnisse eines Experiments mit einem fundamentalen Naturgesetz in Einklang zu bringen, der Erhaltung der Energie. Erst 26 Jahre danach wurden Neutrinos tatsächlich nachgewiesen: in einem Kernreaktor. Dass auch unsere Sonne durch Kernreaktionen Energie erzeugt – pardon, durch Umwandlung von Masse in Strahlungsenergie freisetzt –, wissen wir seit dem Nachweis solarer Neutrinos in den 1970er Jahren. Seitdem ist klar: Unsere Sonne ist ein riesiger Fusionsreaktor, und sie bezieht ihre Strahlungsenergie weder aus dem Verbrennen von Kohle noch aus der Gravitationsenergie einfallender Kometen.
Bis heute geben uns Neutrinos aber noch zahlreiche Rätsel auf. Lothar Oberauer und Michael Wurm beschreiben in dieser Ausgabe zunächst, was wir über die von der Sonne stammenden Neutrinos gelernt haben (S. 30), bevor sie im kommenden Heft über die intrinsischen Eigenschaften dieser Geisterteilchen berichten. Und unser Essayist Rudolf Kippenhahn überlegt, ob Neutrinos auch für einen anderen rätselhaften Effekt verantwortlich sein könnten: jahreszeitliche Schwankungen in der Zerfallsrate radioaktiver Stoffe, für die es ernstzunehmende Hinweise gibt (S. 40). Das mag unglaubwürdig klingen. Aber klang Paulis Postulat, dass es Neutrinos geben müsse, nicht ebenso fantastisch?
Der Saturnmond Enceladus gehört zu den geologisch aktivsten Körpern unseres Sonnensystems.
Die US-Raumsonde Cassini passierte im November 2009 zweimal kurz hintereinander den kleinen Eismond und...
Glückliche Inbetriebnahme einer neuen Spezialkamera
Forscher des Heidelberger Max-Planck-Instituts für Astronomie haben zusammen mit
Kollegen aus Japan und den USA die neue Kamera HiCIAO zur direkten Abbildung von
Exoplaneten in Betrieb genommen und...
Neutrinos sind schwer zu fassende Teilchen. Aber gerade deshalb finden sie einen Weg
direkt aus dem Innersten der Sonne und der Sterne bis in die riesigen Detektoren, mit
denen sie sich heute in...
Im Sonnenkern entstehen unvorstellbare Mengen an Neutrinos. Sie durchströmen
zu Milliarden in jeder Sekunde unseren Körper, ohne dass wir davon etwas
spüren. Könnten sie trotz ihrer verschwindend...
Der Weg der Erkenntnis ist mit Irrtümern gepflastert. Eines der prominentesten
Beispiele im Bereich der beobachtenden Astronomie ist die in den 1960er Jahren
behauptete Entdeckung zweier...
Der Schaer-Refraktor - Plädoyer für ein exotisches Teleskop
Faltrefraktoren führen zu Unrecht ein Schattendasein, sei es, weil sie kaum jemand
kennt, oder weil ihr Potenzial falsch eingeschätzt wird. Doch diese selten beschriebenen
Fernrohre vermögen sowohl...
Die Software »Planetensuche« lädt den Nutzer ein, die möglichen oder
bekannten Begleiter von Sternen auf ihre Eignung für Leben zu untersuchen. Was
bietet die Freeware dem Hobby-Planetenforscher und...
Den Namen Lübeck verbindet man in erster Linie mit Marzipan oder dem berühmten
Holstentor. In der Astroszene steht er aber für eine aktive Gruppe engagierter
Amateure vom Verein Arbeitskreis...