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Magazin | 01.05.1993

Neue Ausgrabungen in Meroe

Steffen Wenig
Das einst wichtigste Zentrum des nubischen Reiches von Kusch verdankte seinen Reichtum einer florierenden Eisenindustrie, von der riesige Halden mit mehreren tausend Tonnen Schlacke zeugen. Ihre Erforschung ist eines der Ziele neuerlicher Ausgrabungen.
Nachdem im 3. und 2. Jahrtausend vor Christus die Gebiete des mittleren Niltales jahrhundertelang unter ägyptischem Einfluß gestanden hatten, entwickelte sich im frühen 8. Jahrhundert vor Christus im heutigen Nordsudan das nubische Reich von Kusch, das die Griechen Äthiopien nannten. Dessen Herrschern gelang es um 750 vor Christus, bei ihrem Vordringen nach Norden das mächtige Pharaonenland zu besetzen. Dabei übernahmen die Kuschiten viele Elemente der ägyptischen Kultur, die zunehmend mit eigenen Zügen gemischt wurden und in dieser Symbiose das Reich von Kusch bis zu dessen Untergang Mitte des 4. Jahrhunderts nach Christus prägten.

Zu seinen größten kulturellen Leistungen gehört die Entwicklung einer Schrift für das von den Kuschiten gesprochene Meroitisch, die in hieroglyphischer und kursiver Form aus 23 Buchstaben und einem Worttrenner besteht. Die vorliegenden Texte können zwar gelesen werden, doch sind weniger als 30 Wörter in ihrer Bedeutung bekannt, so daß das Meroitische noch immer zu den weitgehend unbekannten Sprachen gehört.

Etwa 210 Kilometer nördlich des Zusammenflusses von Weißem und Blauem Nil liegen die Ruinen der schon im 8. Jahrhundert vor Christus existierenden Stadt Meroe, dem wichtigsten Zentrum von Kusch. Viele unserer Kenntnisse über sie basieren auf außer-kuschitischen Quellen – beispielsweise auf Berichten antiker Schriftsteller wie Plinius und Diodor. Von Meroe, das bis ins 4. nachchristliche Jahrhundert existierte, brachen Gesandte nach Ägypten, Rom und Griechenland auf; von hier wurden Heere nach Norden geschickt, um gegen die Römer zu kämpfen, die nach dem Tode Kleopatras VII. die Macht in Ägypten übernommen hatten. Und bis an diese entlegene Stelle der Alten Welt kamen Händler, griechische Reisende und gar Spione des Kaisers Nero.

Noch heute künden die Ruinen von Temp
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