Ein neuer Ansatz in der hydrodynamischen Stabilitätstheorie
Ein Standart-Arbeitsmittel der mathematische Physik, die Eigenwertanalyse, liefert aussagekräftige Ergebnisse nur unter Bedingungen, die in der Theorie der Bewegten Flüssigkeiten und Gase gelegentlich nicht erfullt sind. Indem man diese in Vergessenheit geratene Tatsache beherzigt, kann man die mathematische Beschreibung der Turbulenz viel weiter treiben, als bisher für möglich gehalten wurde.
Das ist wohlbekannt und experimentell an jedem Wasserhahn nachvollziehbar. Um so ärgerlicher war es bislang, daß die mathematische Modellierung dieses Phänomens weit von der Realität entfernt blieb. Während im Experiment die Turbulenz bereits bei Reynolds-Zahlen um 1000 einsetzt, müßte nach der üblichen Stabilitätsanalyse die Strömung bis hinauf zu einer Reynolds-Zahl von 5772 laminar bleiben. (Die Reynolds-Zahl ist eine dimensionslose Größe, in welche die Abmessungen des Systems zum Beispiel der Rohrdurchmesser –, die Strömungsgeschwindigkeit und die Viskosität des Mediums eingehen. Wesentliche Eigenschaften einer Strömung wie etwa die Laminarität hängen nur von der Reynolds-Zahl ab. )
Es gibt allerdings eine gute Entschuldigung für diese Diskrepanz. Die Differentialgleichungen der Hydrodynamik – insbesondere die Navier-Stokes-Gleichungen, welche die viskose Strömung beschreiben – sind ihrer Natur nach nichtlinear und damit schwierig. Es ist zum Beispiel unmöglich, die turbulente Bewegung von Wasser in einem Rohr durch eine geschlossene Formel zu beschreiben; das gelingt lediglich für Situationen wie bei der Poiseuille-Strömung, wenn


Dr. Christoph Pöppe ist
Redakteur bei Spektrum
der Wissenschaft.
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