Orten und Navigieren sind für jedes tierische Lebewesen elementare Fertigkeiten. Wo es sich befindet und wohin sein Weg führt ist unerläßlich zu wissen, etwa um Nahrung zu finden oder Freßfeinden zu entfliehen. Der Mensch ergänzte sein natürliches Repertoire - intuitiven Orientierungssinn, Erkennen von Geländeformationen und Anbringen künstlicher Merkmale - je nach den Erfordernissen der von ihm entwickelten Verkehrsmittel im Laufe der Zeit durch technische Hilfen.
Bezeichnenderweise ist der Begriff Navigation von lateinisch navis, Schiff, abgeleitet. Zwar kann die Küstenschifffahrt noch natürlichen Landmarken wie Bergen oder Klippen folgen (schon in der Antike für nächtliche Fahrten durch Leuchtfeuer auf Türmen ergänzt); aber auf offener See benötigte man andere Mittel: Die Himmelsrichtung mußte man nach dem Stand der Sonne beziehungsweise polnaher Sterne abschätzen, die Geschwindigkeit über Grund mit dem Log. Der Kompaß wurde im Abendland erstmals 1190 erwähnt, und sogenannte Portolankarten mit sich netzartig überschneidenden Windstrahlen kamen für den Mittelmeerraum um 1300 auf. Die mit der Neuzeit einsetzende Überseeschiffahrt erforderte die Entwicklung astronomischer Tafeln, der Chronometer und präziser Winkelmeßgeräte zum Ablesen der Gestirnshöhen. Mittels der Astronavigation vermag ein geschulter Seemann seine Position auf einen bis fünf Kilometer genau zu bestimmen, was bis in die Gegenwart vielfach ausreichte.
FunknavigationDie schnelleren, stärker wetterabhängigen und sich in drei Dimensionen bewegenden Flugzeuge verlangten jedoch, wie sich schon im Ersten Weltkrieg zeigte, nach jederzeit anwendbaren und zudem genaueren Verfahren. Es traf sich, daß ungefähr zeitgleich die Funktechnik verfügbar wurde, deren Leistungsfähigkeit sich parallel mit jener der Luftfahrt immer mehr steigerte. So werden seit etwa 1930 stationäre Funkfeuer zur Ortung und Navigation betrieben wie auch Sender an Bord von Flugzeugen und Schiffen.
