Prof. Dr. Peter Weygoldt
Bei einigen tropischen Froscharten werden die Eier nicht einfach sich selbst überlassen, sondern von Männchen oder Weibchen oder beiden umhegt. Bei wenigen Spezies versorgen die Elterntiere auch noch die Kaulquappen; in einzelnen Fällen ist ihre Kooperation dabei so eng, daß der Eindruck einer Paarbindung entsteht.
Farb, Pfeilgift- oder Baumsteigerfrösche aus der Familie der Dendrobatidae bewohnen die feuchten Tropen der Neuen Welt (siehe Spektrum der Wissenschaft, April 1983, Seite 34). Berühmt geworden sind sie durch die starken Hautgifte und die leuchtenden Farben von vielen der ungefähr 165 Arten. Kolumbianische Indianer gewinnen aus einigen Spezies Gift (Batrachotoxin) für ihre Pfeile, und das toxische Hautsekret von Epipedobates tricolor ist wegen seiner stark schmerzlindernden Wirkungen Gegenstand medizinischer Forschungen.
Alle Farbfrösche sind klein und tagaktiv. Sie ernähren sich von winzigen Insekten, Milben und Spinnentieren und sind deshalb immer auf der Suche nach Beute. Ihrer unermüdlichen Aktivität und der kräftigen Farben wegen sind sie bei Besitzern von Terrarien sehr beliebt. Aus diesem Grunde ist auch die komplizierte Fortpflanzungsbiologie seit langem ebenso bekannt wie die für Amphibien höchst ungewöhnliche Brutfürsorge der meisten Arten (Spektrum der Wissenschaft, September 1992, Seite 64).
Alle Dendrobatidae legen ihre Eier auf dem Land ab - in einem feuchten Versteck oder einfach auf einem Blatt. Meist bewacht das Männchen das Gelege oder besucht es regelmäßig und hält es feucht, indem es sich darauf niederläßt und einen Tropfen Urin aus seiner Harnblase abgibt. Sobald die Kaulquappen geschlüpft sind, klettern sie bei solch einer Gelegenheit auf den Rücken des Männchens. Dieses eilt dann zur nächstgelegenen Wasserstelle - einem Bach, einem Tümpel, einer Pfütze oder sogar nur einer Baumhöhle - und setzt sich solange hinein, bis sich die Larven gelöst haben und davonschwimmen. Damit ist die Brutpflege bei den meisten Arten abgeschlossen.
Fütterung der Larven mit EiernBei einigen Spezies werden die Kaulquappen dagegen in winzige Wasseransammlungen gebracht, die sich in Blattachseln von Bromelien (Ananasgewächsen) oder anderen Pflanzen oder in kleinen Bäumlöchern befinden. Diese sogenannten Phytotelmen enthalten hä