Im Jahre 46 vor Christus war den Rö- mern der Kalender mit den Jahreszeiten merklich außer Takt geraten. Auf den Rat des alexandrinischen Astronomen Sosigenes hin führte Julius Caesar deshalb in jedem vierten Jahr einen zusätzlichen Schalttag ein, wodurch das durchschnittliche Jahr 365 1/4 Tage lang werden sollte. Durch ein Mißverständnis aber zählten die Priester das vierte Jahr des einen Zyklus schon als das erste des nächsten, und so wurde jedes dritte Jahr zu einem Schaltjahr. Erst fünfzig Jahre später wurde dieser Fehler endgültig bereinigt.

Caesars Kalenderreform war nur einer unter vielen Versuchen der verschiedensten Kulturen, die Zählung der Tage mit den astronomischen Gegebenheiten des Jahreslaufs in Einklang zu bringen. Inzwischen gibt es eine bequeme Vergleichsmöglichkeit: Vor ungefähr zehn Jahren beschlossen Nachum Dershowitz und Edward M. Reingold von der Universität von Illinois in Urbana, das Textverarbeitungsprogramm GNU-Emacs, das unter einer Variante des Betriebssystems Unix läuft, mit Kalender- und Tagebuchfunktionen auszustatten. Aus diesem Projekt wurde ein Programmpaket, mit dem man Daten von einem Kalendersystem in ein anderes umwandeln kann. Im System sind 14 Kalender enthalten: der Gregorianische, derjenige der International Organization for Standardization (ISO), der Julianische, der koptische, der äthiopische, der islamische, der persische, der hebräische, der chinesische, der Baha'i-, der Maya-, der französische Revolutions- sowie der alte und der moderne Hindu-Kalender.

Woher kommt die große Variationsbreite? Sämtliche Kalender sind eigentlich zum Scheitern verurteilte Versuche, etwas Irrationales rational zu machen. Wenn man es ganz genau nimmt: etwas praktisch Irrationales. Jedenfalls sind die Verhältnisse, auf die es hier ankommt, nicht als Quotienten kleiner Zahlen auszudrücken. Deswegen gibt es auch keine eindeutig richtige Lösung, sondern nur verschiedene, zum Teil mehrfach abgeänderte Konventionen.

Unserer Z