Das Verhältnis von Umfang zu Durchmesser eines Kreises hatte Altmeister Archimedes (um 285 bis 212 vor Christus) auf einen Wert zwischen 310/71 und 31/7 eingegrenzt. Mit seinem Näherungsverfahren errechnete Ludolph van Ceulen (1540 bis 1610), Mathematiklehrer und Professor der Kriegsbaukunst in Leiden, zunächst 20, später 32 Dezimalen. Die Kreiszahl, später auch Ludolphsche Zahl genannt, erhielt von dem Schweizer Mathematiker Leonhard Euler (1707 bis 1783) ein eigenes Symbol: PI; und bis heute überbieten sich Genauigkeitsfanatiker darin, immer noch mehr Dezimalstellen der berühmten Zahl zu berechnen.

Etliche Gruppen haben sich gerade in den letzten Jahren wieder einen heftigen Wettstreit geliefert. Es handelt sich vor allem um Yasumasa Kanada und seine Mitarbeiter an der Universität Tokio sowie um Simon Plouffe und die Brüder Jonathan und Peter Borwein an der Simon-Fraser-Universität in Burnaby (British Columbia, Kanada). Zur Zeit hält Kanada mit reichlich sechs Milliarden Stellen hinter dem Komma den Rekord.

Das ganze Unternehmen ist wie Bergsteigen: äußerst mühsam und kräfte- beziehungsweise rechenzeitzehrend, weil jeder Ansturm in bislang unerreichte Höhen ganz unten anfangen muß. Um eine weitere Ziffer von PI zu berechnen, braucht man Informationen über alle vorhergehenden. Und einen unmittelbaren Nutzen gibt es ebensowenig wie im Alpinismus; für die meisten praktischen Zwecke ist Ludolphs Ergebnis mehr als ausreichend, und selbst extreme Genauigkeitsansprüche sind mit 100 Stellen mühelos zu befriedigen.

Warum macht man es also? Um der Größte zu sein – wenigstens auf diesem einen Gipfel. "Der Berg ruft", sagt der Extremkraxler, und das Hauptmotiv, das die Brüder Borwein in ihrem Artikel über PI (Spektrum der Wissenschaft, April 1988, Seite 96) anführen, ist von ähnlich entwaffnender Schlichtheit: "weil es Pi gibt".

Es gibt allerdings auch noch andere Gründe, die sich für einen Antrag auf Forschungsförderung etwas besser eignen. So i