Kieselalgen (Diatomeen) sind ein wichtiger Bestandteil des pflanzlichen Planktons der Meere – dort bilden sie die Grundlage der Nahrungskette – und der Binnengewässer. Sie stellen mehr als ein Fünftel der durch Photosynthese produzierten Biomasse.

Ihre harte, vielfach bizarr gestaltete Zellwand ist zweiteilig, im Prinzip wie eine Schachtel; Boden und Deckel haben artspezifische Formen. Die Wandsubstanz besteht überwiegend aus amorphen, polymerisierten silicatischen Verbindungen (gemeinhin Kieselsäure genannt). Vor allem im Eozän und Miozän, also Abschnitten des Tertiärs vor 55 bis 38 beziehungsweise vor 25 bis 5 Millionen Jahren, traten sie massenhaft auf, vermutlich infolge vulkanischer Aktivität, durch die dann viel gelöstes Siliciumdioxid ins Wasser gelangte. Die abgestorbenen Mikroorganismen bildeten damals bis zu mehrere hundert Meter mächtige Sedimente.

Seit langem werden die Fossilschichten abgebaut. Früher gewann man daraus vor allem Baumaterial und ein Adsorbens für Nitroglycerin (so hatte Alfred Nobel den Sprengstoff als Dynamit sicherer handhabbar gemacht); zudem diente das Material auch zur Hitzedämmung von Tresoren – und überführte so manchen beim Anbohren des Panzerschranks damit bestäubten Dieb. Heute nutzt man die feinen, porösen Hohlkörper unter anderem als Filtermasse etwa in der Zucker-Industrie sowie bei der Bier-, Wein- und Wasserreinigung, aber auch als Poliermittel beispielsweise in Zahnpasten.

Neuerdings erweist sich die Diatomeenerde, auch Kieselgur genannt, zudem als ungiftiges Insektizid. Die winzigen Fossilien haben eine große spezifische Oberfläche und können bis zum Dreifachen ihrer Masse an Flüssigkeiten und Fetten aufnehmen. Werden Insekten damit bestäubt, verlieren sie die Lipidschicht, die sie vor Wasserverlust schützt, und sterben an Austrocknung. Auch schädigt das harte Material wohl die feinen Häute zwischen den Segmenten ihrer Chitinpanzer. Möglicherweise verletzt es überdies die Mundwerkzeuge und den Mag