C. H. Beck, München 1997. 128 Seiten, DM 14,80.
Mittlerweile kommen wir im Alltag an den verschiedensten Stellen mit kryptographischen Techniken in Berührung – meist ohne es richtig zu merken: Telephonkarten, Geldautomaten oder Handys verwenden sie, desgleichen komplexe Kommunikations- und Informationssysteme, um vertrauliche Informationen zu verschlüsseln oder einen Anwender zu authentifizieren, das heißt sich seiner Identität zu vergewissern.
Die Kryptographie selbst hat sich von einer Geheimwissenschaft zu einem dynamischen, attraktiven und öffentlich diskutierten Forschungsgebiet entwickelt. Ihrer wachsenden Bedeutung der Kryptographie wird Albrecht Beutelspacher, Professor für Geometrie und diskrete Mathematik an der Universität Gießen, mit dem vorliegenden Buch gerecht. Beutelspacher hat bereits mehrere Bücher zum Thema geschrieben und ist Organisator einer Ausstellung „Mathematik zum Anfassen“ in Gießen.
Ausgehend von einem kurzen Einblick in die klassische Kryptographie, einer exemplarischen Beschreibung historischer Verschlüsselungstechniken und Chiffriermaschinen, spannt der Autor einen Bogen über die ersten unknackbaren Codes bis zu den modernen Fragen und Verfahren. Ist es möglich, daß zwei Personen, die noch nie Kontakt miteinander hatten, öffentlich kommunizieren und am Ende der Kommunikation ein gemeinsames Geheimnis haben? Läßt sich eine Nachricht mit einem öffentlichen Schlüssel so verschlüsseln, daß sie nur der Empfänger mit Hilfe eines zweiten, geheimen Schlüssels entschlüsseln kann?
Die Amerikaner Whitfield Diffie und Martin Hellman haben erstmals gezeigt, daß beides möglich ist, wenn es sogenannte Falltürfunktionen gibt: Funktionen, deren Berechnung einfach, deren Umkehrung aber praktisch nur dann möglich ist, wenn man eine geheime Zusatzinformation – den „Schlüssel zur Falltür“ – besitzt. Eine derartige Funktion haben erstmals Ronald Rivest, Adi Shamir und Leonard Adleman gefunden und damit den Grundstein für das erste asymmetrische Chiffrierverfahren gelegt, das n