Unser heutiges Weltbild sieht in vielem völlig anders aus als das der Menschen zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. Besonders unsere eigene Stellung in dieser Welt begreifen wir heute anders. Auf welche geistigen Leistungen geht dieser revolutionäre Wandel des Zeitgeistes zurück? Gewöhnlich fallen bei dieser Frage die Namen Karl Marx, Sigmund Freud, Albert Einstein – und Gegenstimmen dazu. Als der Einstein-Biograf Abraham Pais schrieb, Einsteins Theorien hätten "die Art des Denkens moderner Männer und Frauen hinsichtlich der Phänomene der unbelebten Natur grundlegend verändert", setzte er sogleich hinzu: "Man sollte wohl besser ‚moderne Wissenschaftler‘ sagen." Denn Einsteins revolutionäre Theorien können nur Menschen wirklich etwas bedeuten, die in physikalischem Denken und mathematischer Methodik geschult sind. Das gilt generell für die bahnbrechenden Theorien der modernen Physik. Die Weltsicht des Durchschnittsmenschen beeinflussen diese Vorstellungen eher wenig.

Biologische Konzepte haben einen völlig anderen Rang. Viele neue Ideen der Biologie in den letzten 150 Jahren widersprachen krass bisherigen Anschauungen. Anerkennung konnten sie deswegen nur durch eine ideologische Revolution finden. Kein Biologe aber hat das Weltbild auch einfacher Menschen in mehr Bereichen – und drastischer – umgekehrt als Charles Darwin.

Die Leistung Darwins war außerordentlich umfassend und vielschichtig. Ich halte es für zweckmäßig, drei Bereiche zu unterscheiden, zu denen Darwin maßgeblich beitrug: Das sind außer der Evolutionsbiologie die Wissenschaftsphilosophie und der moderne Zeitgeist. Zwar soll dieser Artikel hauptsächlich dem dritten Aspekt gelten. Doch der Vollständigkeit halber will ich zuvor kurz umreißen, was Darwin zu den beiden anderen Feldern beitrug.

Mit der Evolutionsbiologie begründete Darwin innerha