Serie: Die Botschaft des Genoms (Teil VII)
Trypsin
Schere im Darm
Dr. Michael Groß
Schneidwerkzeuge sind aber auch gefährlich. Der Mensch verwahrt sie deshalb an einem sicheren Ort. Ebenso sorgt der Körper dafür, dass seine molekularen Scheren nicht versehentlich Schaden anrichten können. So ist die "Klinge" von zellulären Proteasen in einer Fassstruktur untergebracht, zu deren Innerem nur Proteine mit Ausmusterungs-Stempel Zutritt erhalten. Proteasen, die außerhalb der Zelle wirken, tragen dagegen einen kurzen Abschnitt als Sicherung; sie werden erst scharf, wenn eine andere Protease diesen Abschnitt entfernt.
Das gilt auch für Trypsin. Im zugehörigen Gen ist nur ein inaktiver Vorläufer verschlüsselt: das Trypsinogen. Es wird in der Bauchspeicheldrüse hergestellt und gelangt mit den anderen Verdauungssekreten in den Dünndarm. Dort trennt die so genannte Enteropeptidase acht Aminosäuren von dem Molekül ab und wandelt es dadurch in aktives Trypsin um.
Dieses gehört ebenso wie das nahe verwandte Verdauungsenzym Chymotrypsin und das Blutgerinnungsprotein Thrombin zur Familie der Serinproteasen: Als Klinge, mit der das Enzym zum chemischen Schnitt ansetzt, fungiert die Seitenkette der Aminosäure Serin – an sich ein recht harmloser Molekülteil, der gewöhnlichem Alkohol ähnelt. Zum Skalpell machen ihn zwei weitere, genauestens positionierte Aminosäuren. Die eine ist ein Histidin, das kurzfristig das


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