Stellen Sie sich folgenden merkwürdigen Traum vor. Sie sitzen in einem Konzert. Ein Orchester mit über 30000 Musikern spielt etwas, das vermutlich Musik sein soll, aber die Vielzahl der Töne und Rhythmen erzeugt nur ein kakophonisches Durcheinander, von dem Ihnen die Ohren dröhnen. Sie können weder einzelne Melodien noch Harmonien, Motive oder Themen heraushören. Weit und breit ist kein Dirigent zu sehen – verschiedene Instrumentengruppen scheinen sich nach mysteriösen Regeln gegenseitig zu beeinflussen. Tausende von Blechbläsern übertönen alle leiseren Instrumente, wenn sie nicht gerade von Dutzenden von Orgeln zugedeckt werden.

Während Sie sich die Ohren zuhalten, scheint Ihr Nachbar verzückt zu lauschen. In seiner Hand hat er ein Gerät, das wie eine Fernbedienung aussieht. Als Sie ihn verwundert anschauen, reicht er es Ihnen mit aufforderndem Lächeln. Sie nehmen es, drücken wahllos auf einen Knopf, und ein Wunder geschieht. Plötzlich erklingt nur noch die schmeichelnde Melodie einiger schluchzender Geigen. Sie drücken noch einmal, und ein Cello steuert eine schmelzende Begleitung bei. Und so können Sie aus dem wirren Gesamtklang nach Belieben einzelne Instrumente oder Instrumentengruppen herauslösen und gesondert anhören. Allmählich gewinnen Sie auf diese Weise eine Ahnung davon, aus welchen Stücken sich das Klangchaos zusammensetzt.

Eine solche Fernbedienung wäre der Wunschtraum von Forschern, die das Zusammenspiel der 30000 Gene im menschlichen Erbgut ergründen wollen. Doch er muss kein Traum bleiben. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Biophysikalische Chemie in Göttingen haben jetzt immerhin einen Stummschalter entwickelt, der nach Belieben einzelne "Instrumente" ausblendet. Trotz seiner beschränkten Möglichkeiten könnte er wesentlich dazu beitragen, mehr Klarheit in die unüb